BWL-MentorMichael Holtschneider

Themenfeld 06 von 06

Personal und Organisation

Wie ein Betrieb aufgebaut ist und wie er mit Menschen arbeitet: Aufbau- und Ablauforganisation, Leitungssysteme, Personalbedarfsplanung mit Rechenweg, Führungsstile und die Motivationstheorien, die geprüft werden.

Darum geht es

  • Aufbauorganisation
  • Matrixorganisation
  • Personalbedarfsplanung
  • Führungsstile
  • Motivationstheorien

Dieses Themenfeld gilt als das einfachste und ist in der Korrektur das undankbarste: Weil jeder eine Meinung zu Führung hat, schreiben viele Meinung statt Fachbegriff. Geprüft werden aber Strukturen, Verfahren und benannte Theorien — und die sind so eindeutig wie ein Buchungssatz.

Organisation: Struktur und Ablauf sind zwei Fragen

Organisieren heißt, Aufgaben zu teilen und die Teile wieder zusammenzuführen. Der erste Schritt ist immer die Aufgabenanalyse — die Gesamtaufgabe wird in Teilaufgaben zerlegt, nach Verrichtung, Objekt, Rang, Phase oder Zweckbeziehung. Der zweite Schritt ist die Aufgabensynthese: Teilaufgaben werden zu Stellen zusammengefasst, Stellen zu Abteilungen, Abteilungen zu Bereichen. Das Ergebnis ist die Aufbauorganisation, dargestellt im Organigramm.

Die Ablauforganisation beantwortet eine andere Frage. Sie regelt nicht, wer wem untersteht, sondern in welcher Reihenfolge, zu welcher Zeit und an welchem Ort die Arbeitsschritte ablaufen — mit den Zielen kurze Durchlaufzeit, hohe Kapazitätsauslastung und wenig Leerzeit. Diese Ziele konkurrieren: Wer die Durchlaufzeit minimiert, nimmt Leerzeiten an den Maschinen in Kauf. Das ist das Dilemma der Ablaufplanung und ein beliebter Begründungsauftrag in Klausuren.

Definition

Stelle und Instanz

Die Stelle ist die kleinste organisatorische Einheit: ein Bündel von Aufgaben, das auf die Kapazität einer gedachten Normalperson zugeschnitten ist. Eine Instanz ist eine Stelle mit Leitungsbefugnis, also mit Weisungsrecht gegenüber nachgeordneten Stellen. Eine Stabstelle unterstützt eine Instanz mit Fachwissen, hat aber kein Weisungsrecht — die Leitungsspanne (Zahl der direkt unterstellten Stellen) bezieht sich nur auf Instanzen.

Die vier Leitungssysteme im Vergleich

Leitungssysteme: Aufbau, Stärke, Schwäche
SystemAufbauStärkeSchwäche
Einliniensystemgenau ein Vorgesetzter je Stelleklare Zuständigkeit, eindeutige Weisunglange Dienstwege, Überlastung der Instanzen
Mehrliniensystemmehrere fachliche Vorgesetztekurze Wege, Spezialwissen direkt verfügbarWeisungskonflikte, unklare Verantwortung
Stab-Linien-SystemEinlinie plus Stabstellen ohne WeisungsrechtEntlastung der Leitung, Fachkompetenz im HausSpannung zwischen Stab und Linie, Macht ohne Verantwortung
Matrixorganisationzwei Dimensionen, etwa Funktion und ProjektProjekt- und Fachsicht gleichzeitig vertretenhoher Abstimmungsaufwand, doppelte Unterstellung

Personalbedarf: rechnen, nicht schätzen

Die Personalplanung beginnt mit dem Bedarf, und der ist eine Rechengröße. Der Bruttopersonalbedarf ist die Zahl der Stellen, die zur Erfüllung der geplanten Aufgaben nötig sind, einschließlich Reserve für Urlaub und Krankheit. Davon wird der fortgeschriebene Ist-Bestand abgezogen — also der heutige Bestand abzüglich feststehender Abgänge und zuzüglich feststehender Zugänge. Was übrig bleibt, ist der Nettopersonalbedarf: die Zahl, die tatsächlich eingestellt (oder bei negativem Vorzeichen abgebaut) werden muss.

Netto-Personalbedarf einer Abteilung

Netto = Brutto − (Ist-Bestand − Abgänge + feststehende Zugänge)

  1. 01Bruttopersonalbedarf für das kommende Jahr: 48 Stellen (einschließlich Reservebedarf).
  2. 02Heutiger Ist-Bestand: 45 Beschäftigte.
  3. 03Feststehende Abgänge: 3 Renteneintritte, 1 gekündigtes Arbeitsverhältnis = 4.
  4. 04Feststehende Zugänge: 2 Auszubildende, die ihre Prüfung bestanden haben und übernommen werden.
  5. 05Fortgeschriebener Ist-Bestand: 45 − 4 + 2 = 43.
  6. 06Netto-Personalbedarf: 48 − 43 = 5 Einstellungen.

5 Stellen sind zu besetzen. Die Zahl 48 wäre der Gesamtbedarf, die Zahl 3 die bloße Differenz zum Ist-Bestand — beide sind in dieser Aufgabe falsch.

Führung und Motivation: die Theorien, die geprüft werden

Für Führungsstile ist die klassische Einteilung nach Kurt Lewin gesetzt: autoritär (Vorgesetzter entscheidet allein), kooperativ(demokratisch, Mitarbeitende werden beteiligt) und laissez-faire (die Gruppe entscheidet, die Führungskraft greift nicht ein). Ergänzend fragt das Kontinuum von Tannenbaum und Schmidt nach dem Grad der Beteiligung, und situative Ansätze betonen, dass der angemessene Stil von Aufgabe und Reifegrad der Mitarbeitenden abhängt.

Bei der Motivation gehören drei Modelle zum Pflichtstoff. Maslow ordnet Bedürfnisse in fünf Stufen von den physiologischen Grundbedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung. Herzberg trennt Hygienefaktoren (verhindern Unzufriedenheit) von Motivatoren (erzeugen Zufriedenheit) — das ist der Grund, warum eine Gehaltserhöhung kurz wirkt und ein größerer Entscheidungsspielraum lange. McGregor beschreibt mit Theorie X und Theorie Y zwei Menschenbilder von Führungskräften, die sich selbst bestätigen: Wer Kontrolle für nötig hält, organisiert so, dass ohne Kontrolle nichts geht.

Daraus folgen die Instrumente der Arbeitsgestaltung — Job Enlargement, Job Enrichment, Job Rotation, Teilautonome Gruppen — und der Zielvereinbarung. Ziele gelten als brauchbar, wenn sie spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und terminiert formuliert sind. Die Personalkosten, die aus all dem entstehen, sind übrigens in der Kosten- und Leistungsrechnung der größte Block — und die Rechtsform, die bestimmt, wer überhaupt weisungsbefugt ist, steht in den Grundlagen der BWL.

Vorsicht

Hier gehen in der Korrektur die Punkte verloren

Nicht die schweren Aufgaben kosten die meisten Punkte, sondern diese Verwechslungen.

Klausurfalle

  • Aufbauorganisation regelt die Struktur (wer ist wem zugeordnet), Ablauforganisation die Prozesse (in welcher Reihenfolge, mit welchem Zeit- und Raumbezug). Die Frage nach einem Organigramm ist immer eine Frage zur Aufbauorganisation.
  • Im Einliniensystem hat jede Stelle genau einen Vorgesetzten, im Mehrliniensystem mehrere. Die Matrixorganisation ist ein Mehrliniensystem — wer sie als Sonderform des Einliniensystems beschreibt, hat den Kern verkehrt.
  • Eine Stabstelle hat Fachkompetenz, aber keine Weisungsbefugnis. Genau das ist der Grund für die typischen Konflikte in der Stab-Linien-Organisation, und genau das will die Aufgabe hören.
  • Bei Herzberg verhindern Hygienefaktoren Unzufriedenheit, sie erzeugen aber keine Zufriedenheit. Mehr Gehalt motiviert in diesem Modell nicht dauerhaft — es hört nur auf zu demotivieren.
  • Der Netto-Personalbedarf ist die Lücke zwischen Soll- und Ist-Bestand nach Berücksichtigung von Zugängen und Abgängen, nicht der Gesamtbedarf. Wer den Bruttobedarf als Einstellungszahl nennt, stellt doppelt ein.
  • Theorie X und Theorie Y von McGregor sind Annahmen der Führungskraft über die Mitarbeitenden, keine Mitarbeitertypen. Diese Unterscheidung ist der halbe Punkt in der Aufgabe.

Selbsttest

Kannst du das?

Beantworte die Frage erst für dich, dann klapp die Antwort auf. Wer nur liest, überschätzt sich zuverlässig.

Prüffragen zu diesem Themenfeld

  • 01Was unterscheidet Einlinien-, Mehrlinien-, Stab-Linien- und Matrixorganisation?

    Einliniensystem: jede Stelle hat genau einen Vorgesetzten, klare Zuständigkeit, lange Dienstwege. Mehrliniensystem: mehrere fachlich spezialisierte Vorgesetzte, kurze Wege, aber Konfliktgefahr bei widersprüchlichen Weisungen. Stab-Linien-Organisation: Einliniensystem plus Stabstellen mit Fachkompetenz ohne Weisungsbefugnis. Matrixorganisation: zwei Dimensionen gleichzeitig, etwa Funktion und Projekt, mit doppelter Unterstellung.

  • 02Ein Betrieb braucht im nächsten Jahr 48 Stellen, hat 45 besetzt, 4 Abgänge und 2 feste Zugänge. Wie hoch ist der Netto-Personalbedarf?

    Fortgeschriebener Ist-Bestand: 45 − 4 + 2 = 43. Netto-Personalbedarf: 48 − 43 = 5 Stellen. Es sind also fünf Einstellungen nötig, nicht 48 und nicht 3.

  • 03Nenne die Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide und den Kritikpunkt an dem Modell.

    Von unten: physiologische Grundbedürfnisse, Sicherheit, soziale Bedürfnisse (Zugehörigkeit), Wertschätzung (Anerkennung), Selbstverwirklichung. Die ersten vier sind Defizitbedürfnisse, die oberste ein Wachstumsbedürfnis. Kritik: Die strenge Rangfolge ist empirisch nicht belegt, Bedürfnisse treten gleichzeitig auf und sind kulturell unterschiedlich gewichtet.

  • 04Was besagt die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg, und welche Konsequenz hat sie für die Arbeitsgestaltung?

    Hygienefaktoren (Gehalt, Arbeitsbedingungen, Betriebsklima, Sicherheit) verhindern Unzufriedenheit, erzeugen aber keine Zufriedenheit. Motivatoren (Leistungserfolg, Anerkennung, Verantwortung, Arbeitsinhalt, Entwicklung) erzeugen Zufriedenheit. Konsequenz: Arbeitsinhalte verändern, nicht nur Rahmenbedingungen — Job Enlargement (mehr gleichartige Aufgaben), Job Enrichment (mehr Verantwortung und Entscheidungsspielraum), Job Rotation (planmäßiger Aufgabenwechsel).

  • 05Welche Vor- und Nachteile hat interne gegenüber externer Personalbeschaffung?

    Intern: geringere Kosten, schnellere Besetzung, Kenntnis der Person und des Betriebs, Aufstiegsperspektive wirkt motivierend — dafür keine neuen Impulse, Betriebsblindheit, und die frei werdende Stelle muss wieder besetzt werden. Extern: neues Wissen und frische Sicht, größere Auswahl, Deckung echten Mehrbedarfs — dafür höhere Kosten, längere Einarbeitung, höheres Fehlbesetzungsrisiko und mögliche Demotivation übergangener Mitarbeitender.

Noch eine Frage zu diesem Themenfeld?

Schreib mir, welche Stelle nicht sitzt — unklare Abschnitte sind der nützlichste Hinweis, den ich bekommen kann.