BWL-MentorMichael Holtschneider

Themenfeld 01 von 06

Grundlagen der BWL

Womit jede BWL-Vorlesung anfängt und worauf alle anderen Themen aufbauen: was ein Betrieb überhaupt ist, welche Faktoren er kombiniert, nach welchem Prinzip er entscheidet und in welcher Rechtsform er auftritt.

Darum geht es

  • Produktionsfaktoren
  • Ökonomisches Prinzip
  • Rechtsformen
  • Zielsystem
  • Unternehmensziele

Die Grundlagen sind das Themenfeld, das am häufigsten unterschätzt und am sichersten geprüft wird. Wer die Produktionsfaktoren, das ökonomische Prinzip und die Rechtsformen sauber beieinander hat, bekommt in jeder Klausur die ersten Punkte ohne zu rechnen — und versteht die fünf anderen Themenfelder schneller, weil alle auf diesen Begriffen aufbauen.

Betrieb, Unternehmen, Firma — drei Begriffe, die nicht dasselbe meinen

Die Betriebswirtschaftslehre untersucht, wie Menschen in Betrieben knappe Mittel einsetzen, um Güter und Dienstleistungen bereitzustellen. Schon der erste Satz enthält das Problem, an dem sich die ganze Disziplin abarbeitet: Die Mittel sind knapp. Es gibt nie genug Zeit, Geld, Material und Personal, um alles zu tun, was möglich wäre — also muss entschieden werden. Betriebswirtschaftslehre ist die Lehre von diesen Entscheidungen.

Drei Begriffe werden dabei fast immer vermischt. Der Betrieb ist die technisch-organisatorische Einheit: die Werkstatt, das Lager, die Küche. Das Unternehmen ist die rechtlich-wirtschaftliche Einheit, die am Markt auftritt, Verträge schließt und haftet — es kann mehrere Betriebe haben. Die Firma schließlich ist nach § 17 HGB nur der Name, unter dem ein Kaufmann auftritt. „Die Firma ist abgebrannt“ ist umgangssprachlich verständlich und fachlich falsch.

Definition

Produktionsfaktoren nach Erich Gutenberg

Betriebliche Leistung entsteht durch die Kombination von drei Elementarfaktoren — ausführende menschliche Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe — durch einen vierten, übergeordneten Faktor: den dispositiven Faktor. Er besteht aus Geschäftsleitung, Planung, Organisation und Kontrolle. Diese Vierteilung ist der Kern des Faktorsystems und die häufigste Einstiegsfrage in BWL-Klausuren.

Das ökonomische Prinzip: drei Varianten, eine Logik

Weil die Mittel knapp sind, braucht es eine Entscheidungsregel. Das ökonomische Prinzip (auch Rationalprinzip) fordert ein möglichst günstiges Verhältnis von Einsatz und Ertrag. Es tritt in drei Varianten auf, und die Unterscheidung ist Prüfungsstoff:

  • Maximalprinzip: Der Einsatz ist vorgegeben, der Ertrag wird maximiert. „Mit diesem Budget so viel Reichweite wie möglich.“
  • Minimalprinzip: Der Ertrag ist vorgegeben, der Einsatz wird minimiert. „Diese 500 Stück so günstig wie möglich fertigen.“
  • Optimumprinzip (Extremumprinzip): Beide Größen sind veränderlich, gesucht ist das beste Verhältnis. Das ist der realistische, aber auch der schwerste Fall.

Daneben steht das erwerbswirtschaftliche Prinzip (Gewinnmaximierung als Oberziel) und als Gegenstück das Gemeinwirtschaftlichkeitsprinzip (Bedarfsdeckung, etwa bei kommunalen Verkehrsbetrieben). Wer in einer Aufgabe über ein Stadtwerk mit Gewinnmaximierung argumentiert, hat die Aufgabe nicht gelesen.

Das Zielsystem und seine Beziehungen

Betriebe verfolgen nie ein einziges Ziel. Üblich ist eine Pyramide aus Oberzielen (Gewinn, Sicherung des Fortbestands), Zwischenzielen (Marktanteil, Liquidität) und operativen Zielen (Durchlaufzeit, Ausschussquote). Zwischen zwei Zielen gibt es genau drei mögliche Beziehungen: komplementär (das eine fördert das andere), konkurrierend (das eine geht auf Kosten des anderen) und indifferent (sie berühren sich nicht). Klausuraufgaben geben zwei Ziele vor und fragen nach der Beziehung — die Begründung zählt mehr als das Schlagwort.

Dazu kommt die Unterscheidung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen. Sie ist keine Gesinnungsfrage: Eine Ausbildungsquote ist ein soziales Ziel mit ökonomischer Wirkung, weil sie Fachkräfte sichert. Genau solche Zusammenhänge will eine Begründungsaufgabe sehen.

Rechtsformen: der Vergleich, der in jeder Klausur vorkommt

Die Rechtsform entscheidet über Haftung, Kapitalaufbringung, Leitungsbefugnis, Gewinnverteilung und Steuerbelastung. Die folgende Übersicht enthält die Formen, die geprüft werden — die Zahlen sind die gesetzlichen Mindestbeträge nach GmbHG und AktG.

Rechtsformen im Vergleich (Deutschland)
RechtsformArtMindestkapitalHaftung
Einzelunternehmen—keinesunbeschränkt, auch privat
GbRPersonengesellschaftkeinesalle Gesellschafter unbeschränkt
OHGPersonengesellschaftkeinesalle Gesellschafter unbeschränkt
KGPersonengesellschaftkeinesKomplementär unbeschränkt, Kommanditist bis zur Einlage
UG (haftungsbeschränkt)Kapitalgesellschaft1 €auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
GmbHKapitalgesellschaft25.000 €auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
AGKapitalgesellschaft50.000 €auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt

Bei der UG gilt eine Besonderheit, nach der gern gefragt wird: Sie muss ein Viertel ihres Jahresgewinns in eine gesetzliche Rücklage einstellen, bis das Stammkapital einer GmbH erreicht ist. Die UG ist also keine eigene Rechtsform neben der GmbH, sondern eine GmbH im Aufbau.

Wie viel Haftung bedeutet die Rechtsform konkret?

Verlust des Unternehmens − Gesellschaftsvermögen = Zugriff auf Privatvermögen

  1. 01Ein Betrieb hat Verbindlichkeiten von 180.000 € und ein Gesellschaftsvermögen von 60.000 €. Ungedeckt bleiben 120.000 €.
  2. 02Als OHG mit zwei Gesellschaftern: Beide haften unbeschränkt, gesamtschuldnerisch und mit Privatvermögen für die vollen 120.000 €. Der Gläubiger kann sich einen der beiden aussuchen.
  3. 03Als GmbH: Die Haftung endet beim Gesellschaftsvermögen. Die 120.000 € bleiben beim Gläubiger — vorbehaltlich persönlicher Bürgschaften und der Haftung des Geschäftsführers bei Pflichtverstössen.
  4. 04Als KG mit einer Einlage des Kommanditisten von 20.000 €, die voll eingezahlt ist: Der Kommanditist haftet nicht weiter, der Komplementär in vollem Umfang.

Die Rechtsform verändert nicht die Höhe des Verlusts, sondern die Frage, wer ihn trägt. Genau das ist der Grund, warum sie geprüft wird.

Wie dieses Themenfeld mit den anderen zusammenhängt

Die Rechtsform bestimmt, ob ein Betrieb überhaupt zur doppelten Buchführung verpflichtet ist — das ist das Thema in Buchführung und Bilanzierung. Das ökonomische Prinzip kehrt als Entscheidungsregel in der Kosten- und Leistungsrechnung wieder, wenn es um Preisuntergrenzen geht. Und die Kapitalaufbringung ist der Einstieg in Investition und Finanzierung. Wenn du die Grundlagen sitzen hast, sind die anderen Themenfelder keine neuen Welten, sondern Fortsetzungen.

Vorsicht

Hier gehen in der Korrektur die Punkte verloren

Nicht die schweren Aufgaben kosten die meisten Punkte, sondern diese Verwechslungen.

Klausurfalle

  • Mindestkapital und Haftung sind zwei verschiedene Dinge. Die GmbH hat 25.000 Euro Mindeststammkapital und beschränkte Haftung; die OHG hat kein Mindestkapital und unbeschränkte Haftung. Wer „kein Mindestkapital“ mit „keine Haftung“ verwechselt, verliert die ganze Teilaufgabe.
  • Bei der KG haftet der Komplementär unbeschränkt, der Kommanditist nur mit seiner Einlage. Die Frage lautet in der Klausur fast immer nach dem Kommanditisten — genau deshalb.
  • Das Maximalprinzip hält den Einsatz fest und maximiert den Ertrag, das Minimalprinzip hält den Ertrag fest und minimiert den Einsatz. Beides gleichzeitig zu optimieren ist kein ökonomisches Prinzip, sondern ein beliebter Distraktor in Multiple-Choice-Aufgaben.
  • Der dispositive Faktor (Leitung, Planung, Organisation, Kontrolle) ist bei Gutenberg ein eigener Faktor und nicht Teil der ausführenden Arbeit. Wer ihn weglässt, nennt drei statt vier Faktoren.
  • Eine GmbH ist keine Personengesellschaft, auch wenn nur eine Person beteiligt ist. Rechtsform und Zahl der Gesellschafter haben nichts miteinander zu tun.

Selbsttest

Kannst du das?

Beantworte die Frage erst für dich, dann klapp die Antwort auf. Wer nur liest, überschätzt sich zuverlässig.

Prüffragen zu diesem Themenfeld

  • 01Nenne die Produktionsfaktoren nach Gutenberg und ordne sie ein.

    Elementarfaktoren: menschliche Arbeitsleistung (ausführend), Betriebsmittel (Maschinen, Gebäude, Werkzeuge) und Werkstoffe (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe). Dazu der dispositive Faktor: Geschäfts- und Betriebsleitung mit Planung, Organisation und Kontrolle. Der dispositive Faktor kombiniert die Elementarfaktoren — das ist seine Aufgabe.

  • 02Ein Betrieb will mit 100 Arbeitsstunden so viele Teile wie möglich fertigen. Welches Prinzip ist das?

    Das Maximalprinzip: der Einsatz (100 Stunden) ist fest, der Ertrag wird maximiert. Wäre die Stückzahl fest und die Stundenzahl zu minimieren, wäre es das Minimalprinzip. Wird beides frei variiert, spricht man vom Optimumprinzip (bestes Verhältnis von Einsatz zu Ertrag).

  • 03Warum entscheidet sich ein Handwerksbetrieb mit drei Mitarbeitenden eher für eine GmbH als für eine OHG?

    Wegen der Haftung. In der OHG haften alle Gesellschafter unbeschränkt, auch mit dem Privatvermögen; in der GmbH haftet grundsätzlich nur das Gesellschaftsvermögen. Der Preis dafür sind 25.000 Euro Mindeststammkapital (davon mindestens 12.500 Euro bei der Anmeldung eingezahlt), Notar- und Handelsregisterkosten sowie Buchführungs- und Offenlegungspflichten.

  • 04Was ist eine komplementäre, was eine konkurrierende Zielbeziehung? Nenne je ein Beispiel.

    Komplementär: ein Ziel fördert das andere — höhere Produktqualität steigert die Kundenzufriedenheit. Konkurrierend (konfliktär): ein Ziel geht auf Kosten des anderen — maximaler kurzfristiger Gewinn gegen hohe Ausbildungsquote. Indifferent (neutral): die Ziele berühren sich nicht, etwa die Farbe des Firmenwagens und die Lagerumschlagshäufigkeit.

  • 05Was unterscheidet Betrieb, Unternehmen und Firma?

    Der Betrieb ist die technisch-organisatorische Einheit, in der Produktionsfaktoren kombiniert werden. Das Unternehmen ist die rechtlich-wirtschaftliche Einheit, die am Markt auftritt und Verträge schließt; es kann mehrere Betriebe umfassen. Die Firma ist nur der Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte betreibt (§ 17 HGB) — nicht das Gebäude und nicht das Unternehmen selbst.

Noch eine Frage zu diesem Themenfeld?

Schreib mir, welche Stelle nicht sitzt — unklare Abschnitte sind der nützlichste Hinweis, den ich bekommen kann.