BWL-MentorMichael Holtschneider

Themenfeld 03 von 06

Kosten- und Leistungsrechnung

Das interne Rechnungswesen: wie aus Aufwand Kosten werden, wie Kosten über Arten, Stellen und Träger verteilt werden und warum der Deckungsbeitrag die wichtigste Zahl in dieser Vorlesung ist.

Darum geht es

  • Kostenartenrechnung
  • BAB
  • Deckungsbeitrag
  • Break-even-Punkt
  • Preisuntergrenze

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist das Rechnungswesen für den eigenen Gebrauch: niemand von aussen schreibt vor, wie sie aussieht, und genau deshalb ist sie das entscheidungsrelevante Instrument. Ihre wichtigste Zahl ist nicht der Gewinn, sondern der Deckungsbeitrag — die Antwort auf die Frage, ob ein zusätzlich verkauftes Stück dem Betrieb hilft oder schadet.

Zwei Rechnungen, zwei Adressaten

Die Buchführung informiert nach aussen und ist deshalb an Gesetze gebunden. Die Kosten- und Leistungsrechnung informiert nach innen und ist frei: Es gibt keinen Paragrafen, der vorschreibt, wie ein Betrieb seine Kosten auf Produkte verteilt. Diese Freiheit ist kein Mangel, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Rechnung Entscheidungen stützen kann — eine Rechnung, die dem Finanzamt genügt, genügt dem Betrieb nicht.

Deshalb braucht die KLR eigene Begriffe. Aufwand und Ertrag stammen aus der GuV und enthalten alles, was im Unternehmen passiert ist, auch das Betriebsfremde und das Einmalige. Kosten und Leistung enthalten nur den ordentlichen betrieblichen Werteverzehr — dafür aber auch Posten, die in keiner GuV stehen: kalkulatorischen Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen, kalkulatorische Miete.

Definition

Kosten

Bewerteter, sachzielbezogener Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen einer Periode. Drei Merkmale müssen zusammenkommen: Es muss ein Verbrauch vorliegen (kein bloßer Zahlungsvorgang), er muss bewertet sein (in Geldeinheiten) und er muss dem Betriebszweck dienen. Fehlt das dritte Merkmal, handelt es sich um neutralen Aufwand.

Die drei Stufen der Kostenrechnung

Die Kostenrechnung arbeitet in einer festen Reihenfolge, weil jede Stufe das Ergebnis der vorherigen braucht:

  1. Kostenartenrechnung — welche Kosten? Erfassung und Gliederung nach Material-, Personal-, Kapital- und Fremdleistungskosten. Hier wird auch die wichtigste Einteilung getroffen: Einzelkosten lassen sich einem Produkt direkt zurechnen, Gemeinkosten nicht.
  2. Kostenstellenrechnung — wo? Die Gemeinkosten werden im Betriebsabrechnungsbogen auf Kostenstellen verteilt (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) und dort zu Zuschlagssätzen verdichtet.
  3. Kostenträgerrechnung — wofür? Zuschlagskalkulation je Erzeugnis (Kostenträgerstückrechnung) und kurzfristige Erfolgsrechnung für die Periode (Kostenträgerzeitrechnung).

Variabel oder fix — die Unterscheidung, auf die es ankommt

Für Entscheidungen ist nicht wichtig, ob Kosten einem Produkt zurechenbar sind, sondern ob sie sich mit der Menge verändern. Variable Kosten entstehen pro Stück: Material, Akkordlohn, Verpackung. Fixe Kosten entstehen pro Periode, unabhängig von der Menge: Miete, Gehälter, Abschreibungen, Versicherungen. Daraus folgt die Fixkostendegression — je mehr Stück die Fixkosten tragen, desto geringer der Fixkostenanteil je Stück. Und daraus folgt der Deckungsbeitrag.

Definition

Deckungsbeitrag

Differenz zwischen Verkaufspreis und variablen Kosten eines Stücks: db = p − kv. Der Deckungsbeitrag sagt, welchen Betrag ein verkauftes Stück zur Deckung der Fixkosten beisteuert. Solange er positiv ist, verbessert jedes zusätzliche Stück das Ergebnis — auch dann, wenn der Preis unter den Selbstkosten liegt.
Break-even-Punkt: ab wann trägt sich das Produkt?

Break-even-Menge = Fixkosten ÷ (Preis − variable Kosten je Stück)

  1. 01Gegeben: Verkaufspreis 50 € je Stück, variable Kosten 30 € je Stück, Fixkosten 120.000 € je Jahr.
  2. 02Deckungsbeitrag je Stück: 50 € − 30 € = 20 €.
  3. 03Break-even-Menge: 120.000 € ÷ 20 € = 6.000 Stück.
  4. 04Break-even-Umsatz: 6.000 Stück × 50 € = 300.000 €.
  5. 05Probe: Gesamtdeckungsbeitrag 6.000 × 20 € = 120.000 € = Fixkosten. Der Gewinn ist genau null.
  6. 06Gewinnziel 40.000 €: (120.000 € + 40.000 €) ÷ 20 € = 8.000 Stück.

Break-even bei 6.000 Stück und 300.000 € Umsatz; für 40.000 € Gewinn sind 8.000 Stück nötig.

Die Preisuntergrenze — und warum sie zwei Werte hat

Die Frage „Zu welchem Preis darf ich noch verkaufen?“ hat zwei richtige Antworten, und die Klausur will wissen, welche wann gilt. Kurzfristig, bei freien Kapazitäten, liegt die Preisuntergrenze bei den variablen Kosten je Stück: Jeder Cent darüber deckt Fixkosten, die ohnehin anfallen. Langfristig liegt sie bei den Selbstkosten, denn dauerhaft muss ein Betrieb alle Kosten verdienen, auch die fixen, und zusätzlich einen Gewinnzuschlag.

Engpass: welches Produkt bekommt die knappe Maschinenstunde?

relativer Deckungsbeitrag = Deckungsbeitrag je Stück ÷ Verbrauch der Engpasseinheit

  1. 01Produkt A: Deckungsbeitrag 30 € je Stück, benötigt 3 Maschinenstunden → 10 € je Maschinenstunde.
  2. 02Produkt B: Deckungsbeitrag 24 € je Stück, benötigt 1,5 Maschinenstunden → 16 € je Maschinenstunde.
  3. 03Verfügbar sind 600 Maschinenstunden. Nach Stück-Deckungsbeitrag würde A gewählt: 600 ÷ 3 = 200 Stück × 30 € = 6.000 €.
  4. 04Nach relativem Deckungsbeitrag wird B gewählt: 600 ÷ 1,5 = 400 Stück × 24 € = 9.600 €.

3.600 € Unterschied — allein daraus, dass auf die Engpasseinheit bezogen gerechnet wurde statt aufs Stück.

Wie dieses Themenfeld weitergeht

Die Kostenstruktur entscheidet auch über Investitionen: Ob eine Maschine sich lohnt, hängt davon ab, welche variablen Kosten sie einspart — das ist der Kostenvergleich in Investition und Finanzierung. Und die Preisuntergrenze von hier ist die Untergrenze der Preispolitik in Marketing und Vertrieb: Was der Markt hergibt, ist eine Marketingfrage; was der Betrieb aushält, eine Frage der KLR.

Vorsicht

Hier gehen in der Korrektur die Punkte verloren

Nicht die schweren Aufgaben kosten die meisten Punkte, sondern diese Verwechslungen.

Klausurfalle

  • Aufwand ist nicht Kosten. Kosten sind der bewertete, betriebszweckbezogene Verbrauch einer Periode; eine Spende ist Aufwand, aber keine Kosten, und ein kalkulatorischer Unternehmerlohn sind Kosten, aber kein Aufwand.
  • Die kurzfristige Preisuntergrenze liegt bei den variablen Kosten pro Stück, nicht bei den Selbstkosten. Ein Auftrag, der die variablen Kosten übersteigt, liefert einen positiven Deckungsbeitrag — und bei freien Kapazitäten ist er deshalb besser als kein Auftrag.
  • Fixkosten sind pro Periode fix, nicht pro Stück. Die Fixkosten je Stück sinken mit steigender Menge (Fixkostendegression) — das ist der Grund, warum Vollkostenrechnungen bei Mengenänderungen falsche Signale geben.
  • Im Break-even-Punkt ist der Gewinn null, nicht der Deckungsbeitrag. Der gesamte Deckungsbeitrag entspricht dort genau den Fixkosten.
  • Bei einem Engpass entscheidet nicht der höchste Deckungsbeitrag pro Stück, sondern der höchste Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit (etwa pro Maschinenstunde). Diese Aufgabe kommt fast immer, und fast immer wird sie mit dem Stück-Deckungsbeitrag gerechnet.

Selbsttest

Kannst du das?

Beantworte die Frage erst für dich, dann klapp die Antwort auf. Wer nur liest, überschätzt sich zuverlässig.

Prüffragen zu diesem Themenfeld

  • 01Grenze Aufwand, Kosten, Ertrag und Leistung voneinander ab.

    Aufwand und Ertrag sind Größen des externen Rechnungswesens (GuV) und umfassen alles, auch betriebsfremde und ausserordentliche Vorgänge. Kosten und Leistung sind Größen der KLR und umfassen nur den ordentlichen, betriebszweckbezogenen Werteverzehr beziehungsweise die betriebliche Wertschöpfung — dafür zusätzlich kalkulatorische Kosten, die in der GuV nicht vorkommen.

  • 02Welche drei Stufen hat die Kostenrechnung, und welche Frage beantwortet jede?

    Kostenartenrechnung: Welche Kosten sind entstanden? Kostenstellenrechnung: Wo sind sie entstanden? Dafür wird der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verwendet. Kostenträgerrechnung: Wofür sind sie entstanden, also welches Produkt trägt sie? Die Reihenfolge ist zwingend, weil jede Stufe das Ergebnis der vorigen braucht.

  • 03Ein Produkt kostet 50 € im Verkauf, variable Kosten 30 € je Stück, Fixkosten 120.000 € je Jahr. Wo liegt der Break-even-Punkt?

    Deckungsbeitrag je Stück: 50 € − 30 € = 20 €. Break-even-Menge: 120.000 € / 20 € = 6.000 Stück. Break-even-Umsatz: 6.000 × 50 € = 300.000 €. Ab dem 6.001. Stück entsteht Gewinn, und zwar 20 € je weiteres Stück.

  • 04Ein Kunde bietet für einen Zusatzauftrag 34 € je Stück. Die Selbstkosten betragen 42 €, die variablen Kosten 30 €. Annehmen?

    Bei freien Kapazitäten ja. Der Deckungsbeitrag beträgt 34 € − 30 € = 4 € je Stück und trägt damit zur Deckung der Fixkosten bei, die ohnehin anfallen. Abzulehnen ist der Auftrag, wenn die Kapazität knapp ist und dadurch ein Auftrag mit höherem Deckungsbeitrag verdrängt würde, oder wenn der Niedrigpreis die anderen Kunden erreicht.

  • 05Was ist der Unterschied zwischen Voll- und Teilkostenrechnung, und wofür taugt welche?

    Die Vollkostenrechnung verteilt alle Kosten, auch die fixen, auf die Kostenträger — nötig für langfristige Preiskalkulation und Bestandsbewertung. Die Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung) rechnet nur mit variablen Kosten und behandelt Fixkosten als Block der Periode — richtig für kurzfristige Entscheidungen über Zusatzaufträge, Programmänderungen und Preisuntergrenzen.

Noch eine Frage zu diesem Themenfeld?

Schreib mir, welche Stelle nicht sitzt — unklare Abschnitte sind der nützlichste Hinweis, den ich bekommen kann.