Investition und Finanzierung sind zwei Seiten derselben Bilanz: links die Verwendung des Geldes, rechts die Herkunft. Der schwierigste Teil ist nicht die Formel, sondern die Unterscheidung von Zahlung und Erfolg — wer Abschreibungen in eine Zahlungsreihe schreibt, rechnet mit richtiger Formel ein falsches Ergebnis.
Investition: dieselbe Frage in zwei Zeitwelten
Eine Investition bindet heute Geld, um in Zukunft Rückflüsse zu erhalten. Die ganze Investitionsrechnung versucht zu beantworten, ob dieser Tausch sich lohnt — und sie tut das in zwei Familien von Verfahren, die sich in einem Punkt unterscheiden: ob der Zeitpunkt einer Zahlung berücksichtigt wird oder nicht.
Statische Verfahren rechnen mit Durchschnitten einer Periode. Sie sind schnell, verständlich und für überschaubare Entscheidungen völlig ausreichend: Kostenvergleich (welche von zwei Maschinen ist billiger?), Gewinnvergleich, Rentabilitätsvergleich (Gewinn bezogen auf das durchschnittlich gebundene Kapital) und Amortisationsrechnung (nach wie vielen Jahren ist das Geld zurück?). Ihr blinder Fleck ist die Zeit: 10.000 Euro im nächsten Jahr sind für sie so wertvoll wie 10.000 Euro in acht Jahren.
Definition
Kapitalwert (Net Present Value)
C₀ = −I₀ + Rückfluss × RBF(i; n), RBF = (1 − (1 + i)^−n) ÷ i
- 01Gegeben: Anschaffungsauszahlung I₀ = 100.000 €, jährlicher Überschuss 30.000 €, Nutzungsdauer 5 Jahre, Kalkulationszins 8 %, kein Restwert.
- 02Aufzinsungsfaktor: 1,08^5 = 1,46933. Abzinsungsfaktor: 1 ÷ 1,46933 = 0,68058.
- 03Rentenbarwertfaktor: (1 − 0,68058) ÷ 0,08 = 0,31942 ÷ 0,08 = 3,9927.
- 04Barwert der Rückflüsse: 30.000 € × 3,9927 = 119.781 €.
- 05Kapitalwert: 119.781 € − 100.000 € = 19.781 €.
Kapitalwert +19.781 € — die Investition verzinst das eingesetzte Kapital über die geforderten 8 % hinaus und ist damit vorteilhaft.
Zwei weitere dynamische Verfahren bauen auf derselben Logik auf. Die interne Zinsfußmethode sucht den Zinssatz, bei dem der Kapitalwert genau null wird — im Beispiel liegt er bei rund 15 Prozent. Die Annuitätenmethode verteilt den Kapitalwert gleichmässig auf die Jahre und macht Investitionen mit unterschiedlicher Nutzungsdauer vergleichbar. Für die Klausur gilt: Der Kapitalwert ist das Standardverfahren, der interne Zinsfuß ist die Antwort auf „ab welchem Zins kippt die Entscheidung?“.
Finanzierung: vier Felder, eine Matrix
Finanzierungsformen werden nach zwei Kriterien geordnet — Herkunft der Mittel (innen oder aussen) und Rechtsstellung des Kapitalgebers (Eigen- oder Fremdkapital). Daraus ergibt sich eine Matrix, die man einmal aufschreiben und danach immer abrufen kann.
| Eigenkapital | Fremdkapital | |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Einlagen der Eigentümer, Beteiligungen, Aktienemission, Beteiligungskapital | Bankdarlehen, Anleihe, Lieferantenkredit, Kontokorrentkredit, Leasing |
| Innenfinanzierung | Selbstfinanzierung aus einbehaltenen Gewinnen, Vermögensumschichtung | Finanzierung aus Rückstellungen (vor allem Pensionsrückstellungen) |
Die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten ist der Posten, der am häufigsten falsch eingeordnet wird: Die Abschreibung ist Aufwand, der über die Umsatzerlöse zurückfließt, ohne dass eine Auszahlung gegenübersteht — das freigesetzte Geld steht dem Betrieb zur Verfügung, bis die Ersatzbeschaffung fällig wird. Sie gehört zur Innenfinanzierung und ist ein Finanzierungseffekt, keine Kapitalquelle aus dem Nichts.
rEK = rGK + (rGK − i) × FK ÷ EK
- 01Gegeben: Gesamtkapitalrendite rGK = 12 %, Fremdkapitalzins i = 6 %.
- 02Fall 1 — ohne Fremdkapital: EK 500.000 €, FK 0 €. rEK = 12 % + (12 % − 6 %) × 0 = 12 %.
- 03Fall 2 — zur Hälfte fremdfinanziert: EK 250.000 €, FK 250.000 €. rEK = 12 % + 6 % × 1 = 18 %.
- 04Fall 3 — Geschäft läuft schlechter, rGK fällt auf 4 %, Verschuldung bleibt 1:1. rEK = 4 % + (4 % − 6 %) × 1 = 2 %.
Dasselbe Verschuldungsverhältnis bringt 18 % im guten und 2 % im schlechten Jahr. Der Leverage-Effekt ist ein Hebel, kein Geschenk — er vergrößert das Risiko in genau demselben Maß.
Woran man eine solide Finanzierung erkennt
Für die Beurteilung reichen drei Kennzahlen, und alle drei kommen aus der Bilanz, die in Buchführung und Bilanzierung aufgebaut wird. Die Eigenkapitalquote (Eigenkapital ÷ Gesamtkapital) zeigt die Fähigkeit, Verluste zu tragen. Der Anlagendeckungsgrad prüft die goldene Bilanzregel: langfristiges Vermögen soll langfristig finanziert sein. Der Liquiditätsgrad vergleicht kurzfristig verfügbare Mittel mit kurzfristigen Verbindlichkeiten. Keine dieser Zahlen hat einen allgemein richtigen Wert — vergleichbar sind sie nur innerhalb einer Branche und über die Zeit.
Welche Investition überhaupt gebraucht wird, entscheidet oft der Markt: Kapazitätsentscheidungen hängen an Absatzprognosen aus Marketing und Vertrieb, und die laufenden Kosteneinsparungen einer Maschine rechnet man mit den Begriffen der Kosten- und Leistungsrechnung.